Kleine Schritte, große Wirkung
So können wir mit einfachen MItteln unser Herz schützen
Quelle: DRV-RLP/Steffi Kirschthaler
Dr. Torsten Konrad
Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes und Übergewicht gehören zu den wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Oft entwickeln sie sich über viele Jahre und bleiben lange unbemerkt. Die gute Nachricht: Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen – und dafür muss nicht von heute auf morgen das ganze Leben umgekrempelt werden.
Dr. med. Torsten Konrad, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kardiologie der Drei-Burgen-Klinik, setzt deshalb auf Veränderungen, die sich dauerhaft in den Alltag integrieren lassen.
Herzinfarkte verhindern, bevor sie entstehen
Viele Patientinnen und Patienten kommen nach einem Herzinfarkt, einer Stentversorgung oder einer Bypass-Operation zur kardiologischen Rehabilitation in die Drei-Burgen-Klinik. Häufig bestehen gleichzeitig Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes oder Übergewicht.
Sie können das Herz-Kreislauf-System über viele Jahre belasten – zum Teil, ohne zunächst Beschwerden zu verursachen.
„Eigentlich wissen die meisten Menschen, was gesund wäre“, sagt Dr. Konrad. „Sich regelmäßig bewegen, ausgewogen essen, ausreichend schlafen.“ Die Herausforderung liegt häufig darin, dieses Wissen dauerhaft in den eigenen Alltag zu übertragen.
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz
Gesund leben muss nicht perfekt sein
Dabei geht es für Dr. med.Konrad nicht um Perfektion: „Es geht gar nicht darum, immer das 100-Prozent-Optimum zu erreichen.“
Ein gesunder Lebensstil bedeutet nicht, jeden Tag alles richtig machen oder vollständig auf Genuss verzichten zu müssen. Entscheidend sind vielmehr Gewohnheiten, die sich langfristig beibehalten lassen: öfter die Treppe nehmen, einen Spaziergang in den Alltag einbauen, sich regelmäßig bewegen oder häufiger Wasser statt gesüßter Getränke trinken.
„Schon kleine Veränderungen können hochwirksam sein.“
Gerade diese kleinen Schritte können auf Dauer einen Unterschied machen. Wichtig ist, dass sie zum eigenen Leben passen und nicht nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden.
Adipositas als Erkrankung ernst nehmen
Auch beim Thema Übergewicht plädiert Dr. Konrad für einen differenzierten Blick. Adipositas sollte als Erkrankung ernst genommen werden. „Unser Hormon- sowie unser Belohnungssystem beeinflussen unser Essverhalten viel stärker, als die meisten glauben.“
Einfache Aufforderungen, weniger zu essen oder mehr Sport zu treiben, greifen deshalb häufig zu kurz. Ziel sollte es sein, gemeinsam Veränderungen zu entwickeln, die realistisch sind und langfristig funktionieren.
Das gilt auch für die medizinische Behandlung. Neue Therapieansätze, beispielsweise Medikamente zur Gewichtsreduktion, können für geeignete Patientinnen und Patienten ein Baustein der Behandlung sein. Sie ersetzen jedoch nicht Bewegung, ausgewogene Ernährung und eine langfristige Veränderung des Lebensstils.
Rehabilitation als Chance für Veränderungen
Gerade die Rehabilitation bietet die Möglichkeit, verschiedene Ansätze miteinander zu verbinden. In der Drei-Burgen-Klinik betrachten wir deshalb nicht nur die Herzerkrankung selbst, sondern auch die Faktoren, die die Herzgesundheit beeinflussen.
Medizinische Behandlung, Bewegung und Training, Ernährung sowie die Auseinandersetzung mit den eigenen Gewohnheiten greifen dabei ineinander. Patientinnen und Patienten sollen nicht nur während ihrer Rehabilitation etwas verändern, sondern möglichst viel davon in ihren Alltag mitnehmen.
Denn nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation geht es nicht allein darum, wieder belastbarer zu werden. Ebenso wichtig ist es, das Risiko weiterer Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren und die eigene Gesundheit langfristig zu stärken.
Gesund älter werden
In diesem Zusammenhang beschäftigt sich Dr. Konrad auch mit dem Thema „Longevity“. Dahinter steht nicht allein der Wunsch nach einem möglichst langen Leben. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie Menschen möglichst lange gesund, aktiv und selbstständig bleiben können.
Für die Herzgesundheit bedeutet das: möglichst früh auf beeinflussbare Risikofaktoren achten und Veränderungen nicht erst dann beginnen, wenn bereits eine schwere Erkrankung eingetreten ist.
Dafür braucht es nicht unbedingt einen radikalen Neustart. Manchmal beginnt ein gesünderes Leben mit einem kleinen Schritt.
Gesundheitstipps für den Alltag
- Trinken Sie Wasser und keine gesüßten Getränke
- Ernähren Sie sich (etwas) gesünder
- Essen Sie Haferflocken
- Genusstage nicht vergessen
- Keine Diäten – sinnvoll sind nur langfristige Ernährungsumstellungen ohne Gefühl des Verzichts
- Bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein
- Steigen Sie Treppen
- Gehen Sie in der Mittagspause spazieren
- Kümmern Sie sich um Ihre Blutdruck- und Cholesterinwerte
- Lassen Sie diese gegebenenfalls behandeln.